Ein Prüfmodell gegen falsche Sicherheit.

Ein PDF kann technisch auffällig, teilweise korrekt getaggt oder fachlich gut geprüft sein. InklaraPDF trennt diese Ebenen bewusst, damit Prüfergebnisse realistisch bleiben.

PDF-Barrierefreiheit besteht aus technischen, strukturellen und fachlichen Anforderungen. Manche davon lassen sich maschinell prüfen, andere erfordern eine fachkundige Sichtprüfung. InklaraPDF bildet diese Realität in vier Qualitätsstufen ab. Das Modell soll keine amtliche Zertifizierung ersetzen. Es schafft eine gemeinsame Sprache für Prüfergebnisse, Nachbesserung und Qualitätssicherung.

Die vier Qualitätsstufen

  1. Technische PDF/UA-Basis

    Diese Stufe prüft maschinell erkennbare Anforderungen des gewählten PDF/UA-Profils. Sie ist die technische Grundlage, aber noch keine vollständige Aussage über die praktische Nutzbarkeit des Dokuments.

  2. Grundlegende Strukturqualität

    Diese Stufe betrachtet zusätzliche strukturelle Merkmale, die für die Orientierung im Dokument wichtig sind. Sie hilft, typische Probleme im Tagbaum und in der Dokumentstruktur sichtbar zu machen.

  3. Gute Struktur- und Inhaltsqualität

    Diese Stufe erweitert die Prüfung um qualitätsrelevante Merkmale, die für reale Nutzungssituationen wichtig sind. Sie ist besonders relevant für Dokumente, die veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben werden.

  4. Dokumentierte fachliche Prüfung

    Diese Stufe verlangt eine dokumentierte Sicht- und Logikprüfung, wie sie das BMUV-Handbuch für die deutsche Verwaltungspraxis als notwendige Ergänzung zur technischen PDF/UA-Prüfung beschreibt. Sie macht sichtbar, welche manuellen Schritte durchgeführt wurden und wer die fachliche Verantwortung übernommen hat.

Die höchste Stufe ist nicht automatisch, sondern dokumentiert.

Viele Barrieren entstehen nicht nur durch technische Fehler, sondern durch inhaltliche und strukturelle Entscheidungen. Dazu gehören verständliche Alternativtexte, sinnvolle Lesereihenfolge, korrekte Tabellenlogik, aussagekräftige Links und der Umgang mit Sonderzeichen oder Formeln. Diese Punkte lassen sich nicht immer zuverlässig automatisiert entscheiden. Deshalb steht bei InklaraPDF die dokumentierte fachliche Prüfung über der rein technischen Prüfung.

Standards und Bezugspunkte

InklaraPDF orientiert sich an bestehenden Standards und Praxisdokumenten, ohne selbst eine Zertifizierungsstelle zu sein. Es bündelt die wichtigsten Referenzen, auf die sich Prüfungen stützen.

Häufige Fragen.

  • Warum ist Stufe 1 die höchste Stufe?

    Die Stufen sind als Reifegradmodell zu lesen. Stufe 4 beschreibt die technische PDF/UA-Basis, während Stufe 1 zusätzlich eine dokumentierte fachliche Sicht- und Logikprüfung umfasst. Die niedrigere Zahl steht deshalb nicht für geringere Qualität, sondern für einen vollständigeren dokumentierten Prüfstand.

  • Kann ein PDF mit bestandener PDF/UA-Prüfung trotzdem Barrieren enthalten?

    Ja. Eine technische PDF/UA-Prüfung kann nur maschinell erkennbare Anforderungen sicher bewerten. Barrieren können weiterhin entstehen, wenn Alternativtexte unzutreffend sind, Tabellen semantisch unklar bleiben oder die Lesereihenfolge inhaltlich nicht nachvollziehbar ist.

  • Wie passt das Prüfmodell zu BITV 2.0 und BFSG?

    BITV 2.0 und BFSG bilden rechtliche und organisatorische Bezugspunkte für barrierefreie digitale Angebote in Deutschland. Das Prüfmodell übersetzt diese Anforderungen nicht in eine eigene Zertifizierung, sondern hilft dabei, technische und fachliche Prüfschritte für PDF-Dokumente nachvollziehbar zu dokumentieren. Für verbindliche Bewertungen bleiben die jeweils geltenden Rechts- und Vergabeanforderungen maßgeblich.

  • Was bedeutet dokumentierte fachliche Prüfung?

    Eine dokumentierte fachliche Prüfung hält fest, welche Person oder Prüfstelle welche nicht automatisch bewertbaren Merkmale geprüft hat. Dazu gehören zum Beispiel Alternativtexte, die logische Lesereihenfolge, Tabellenbezüge und Linkziele. Entscheidend ist, dass die fachliche Entscheidung nachvollziehbar begründet und nicht durch einen technischen Status ersetzt wird.